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Die Münchner Berg-Community

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#1 14.07.2013 10:45:15

Holger Sch
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Franz im "Glück" an der Reiter Alpe am 13.7.2013

Am Freitag doch noch Franz als Kletterpartner gefunden. Wir verabredeten uns dann für die Tour "Glück" an der Reiteralpe (Topo hier http://bruederl.userweb.mwn.de/Klettern … Glueck.pdf ). Von München ging es nach Oberjettenberg. Dort dann erst einmal 900Hm Aufstieg - war schon lange nicht mehr dort, deshalb war ich froh, daß mir mein GPS zielsicher zum Einstieg leitete.

Direkt vor uns stieg eine Frauenseilschaft ein - so mussten wir dann doch etwas warten. Dann ging es los. Eigentlich hatte ich mit etwas wärmeren Temperaturen gerechnet. So war es doch etwas zu kühl, um nur im T-Shirt zu klettern. Die erste Seillänge ist noch leicht - nur mit ein paar 5er Stellen. Ab dann ist die Tour sehr homogen und abwechselungsreich. Es wechseln Platten mit Wasserrillen und Quergängen, kleine Überhänge. Es ist alles extrem gut abgesichert. Teilweise sind manche Kletterabschnitte sehr ausgesetzt - besonders bei Querungen. So war Hans, ehh ich meinte Franz im "Glück". Die 5. Seillänge ist eine herrliche Hangelschuppe, die schön ausgesetzt ist. So ging es immer höher.
In der 6ten Seillänge (45m 6+) war ich dann etwas irritiert, weil ein Hubschrauber über mir kreiste. Am Stand merkte ich dann, daß in der Sternschnuppe ein Kletterer unglücklich gestürzt war, und sich den Fuß so verletzt hatte, daß er nicht mehr weiterkam. Er war aber gut drauf und hat sogar sein Mädel noch getröstet. Der Hubschrauber versuchte jemanden zu den Verunglückten abzuseilen, was aber irgendwie nicht ging. Sie sind dann abgedreht und haben nochmals beratschlagt. In der Zwischenzeit kam Franz nach und ging gleich weiter zum Stand an der Schlüsselseillänge.
Dann kam der der Hubschrauber wieder. Dieses Mal war der Bergwachtler schon an einem 50-60m Seil dran. Er hat dann den Verletzten aufgenommen. Als seine Freundin allein war, kam in ihr Panik hoch. Also habe ich auf sie eingeredet (mein Stand war ca. 5m von ihr entfernt). Also mit ihr geschwatzt (Franz Bescheid gegeben, daß ich erst nachkomme, wenn sie aus der Wand ist). Sie dann angewiesen, sich über eine Schlinge zu sichern und schon mal aus dem Seil auszubinden, damit der Bergwachtler nicht lange braucht und der Hubschrauber nicht unnötig lange in der Standschwebe zu bleiben braucht. Es zog sich dann aber doch hin. In der Wand war es schattig und es ging doch Wind und durch den Hubschrauber, bei den vorherigen Versuchen, kam noch ein gehöriger kühler Luftstrom dazu. So langsam fröstelte ich.
Dann kam endlich der Hubschrauber, und im 2. Versuch konnte er dann das Mädel aus der Wand holen. Dann zu Franz nachgestiegen. Da stand ich nun, klapperte am ganzen Körper (auch Franz war es kalt) und die Schlüssellänge lag vor mir. Eigentlich wollte ich die 8er Stelle probieren, aber so wie ich klapperte war das nicht so erfolgversprechend (außerdem war die Zeit auch schon fortsgeschritten). So bin ich es dann doch A0 gegangen. Die 7 gleich danach löste sich gut auf und besonders wurde mir dabei wieder etwas wärmer. Dann folgte noch ein herrlicher 7'er Quergang und besonders wir kamen in die Sonne. Auch die vorletzte Seillänge war noch einmal genial.
Abstieg dann über eine Schuttrinne. So war Hans, ehhh Franz im "Glück". Ich scheine die Hubschraubereinsätze anzuziehen. In der Woche zuvor war beim Klettern am Brauneck einer neben mir im Vorstieg geklettert und abgeschmiert. Sprungbeinabsplitterung - Bergung mit Hubschrauber - aber da mit der Seilwinde. Ich hoffe mal, daß mein "Glück" jetzt nicht so weitergeht.

- tolle homogene Tour in herrlicher Umgebung
- sehr gut abgesichert und sehr fest
- absolut zuverlässiger Seilpartner
- prima Tag (von der Flugrettung mal abgesehen)

Holger

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rechts vom rechten Pfeiler ging es durch die Wand

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Franz im "Glück" smile


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Franz im Hangelquergang

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Der Rettungshubschrauber - unten sieht man den Bergwachlter - ganz schön langes Seil

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der Verletzte wird geborgen

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die Mädels im 7er Quergang

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Franz im 7er Quergang

Beitrag geändert von Holger Sch (17.07.2013 09:04:27)


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#2 14.07.2013 11:17:11

Holger Sch
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Re: Franz im "Glück" an der Reiter Alpe am 13.7.2013

Hier noch der Hergang http://www.heimatzeitung.de/startseite/ … ettet.html also 50m-Seil, habe ich ja doch ganz gut geschätzt.

Und noch ein Bericht über den Unfallhergang: http://mobil.wochenblatt.de/nachrichten … t66,188837

Holger

Beitrag geändert von Holger Sch (15.07.2013 13:56:28)


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#3 15.07.2013 17:01:42

FranzS
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Re: Franz im "Glück" an der Reiter Alpe am 13.7.2013

Hallo Holger,

danke für den ausführlichen Bericht - genauso wars am Samstag.
Tolle Tour in super Fels!

Danke fürs Vorsteigen der Schlüsselseillänge!

gruß,
Franz

Beitrag geändert von FranzS (15.07.2013 17:07:05)


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#4 17.07.2013 09:17:44

Holger Sch
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Re: Franz im "Glück" an der Reiter Alpe am 13.7.2013

Noch ein kleiner Nachtrag. Ich hatte noch ein Telefongespräch mit dem leiter von dem Einsatz. Also meine Einschätzung, daß der Hubschrauber erst überlegte, einen Bergwachtler abzuseilen war falsch. Der Hubschrauber hatte keine Seilwinde. Die Überflüge zu Anfang waren nur dazu da, zu prüfen, was man am besten machen kann, ob es möglich ist den Hubschrauber in der Standschwebe über den Verunfallten zu halten und auch um die Länge vom dann angebrachten Seil abzuschätzen, oder ob man die Bergwachtler oben im Gipfelbereich absetzen muß und die dann zum Verunfallten abseilen.
Ansonsten sind die Hubschrauber meist mit einem 90m Windenseil ausgerüstet. Manche auch nur mit einem 50m Seil (z.B. Polizeihubschrauber). Die Bergung mit einem am Hubschrauber angebrachten Seil wird auch mit bis zu 90m Länge geübt. Bei 90m Länge ist es natürlich sehr anspruchsvoll (Dehnung - wenn der Hubschrauber 1m absackt hüpft man unten dran viel mehr, Pendelausschwünge sind auch größer). Deshalb versucht man natürlich das Seil möglichst kurz zu halten. War echt ein nettes Gespräch.

Holger


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